Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, liebe Gäste!

Eine Grundsteinlegung markiert ein besonderes bauliches Ereignis – die Grundsteinlegung für ein Rathaus ist ganz sicher ein solches Ereignis!

 

Üblicherweise beginnt nach dieser feierlichen Handlung die Bautätigkeit erst so richtig. In Marktheidenfeld handhaben wir die Dinge oftmals anders als üblich – und wir sind damit im Großen und Ganzen gut gefahren! So kann es kaum erstaunen, dass bei der Grundsteinlegung für das neue Rathaus die Bautätigkeit schon weit fortgeschritten ist, denn die Tiefgarage unter dem großen Gesamtkomplex Rathaus-Center ist bereits als Rohbau fertiggestellt.

Die Vorgeschichte des neuen Marktheidenfelder Rathauses ist ebenfalls eine besondere:

Das im vergangenen Jahr auf diesem Platz abgerissene Gebäude, das von 1968 bis 2008 als Rathaus diente, wurde im Jahr 1935 als  Partei- und Amtsgebäude der NSDAP –  im Sprachgebrauch als “Braunes Haus” – fertiggestellt. Die Festschrift  aus jener  Zeit zeigt in erschreckender Weise das Gedankengut der damaligen Machthaber. Intoleranz, Hass und Verfolgung von Andersdenkenden wurden hier organisiert und durchgesetzt.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde das Haus zur Nutzung als Kreiskrankenhaus umgebaut und 1946 bezogen. Diesem Zweck diente es, bis 1968 der Neubau des Krankenhauses  in der Baumhofstraße eingeweiht wurde. Erneut wurde umgebaut – und noch im gleichen Jahr wurde das Gebäude zum Rathaus, nachdem das alte Rathaus am Marktplatz viel zu klein geworden war. Zu klein wurde auch dieses Gebäude bald wieder; zusätzliche Räume für die Stadtverwaltung entstanden ab 1981, nach Auflösung des Gemeindekassenamtes, gegenüber im Fränkischen Haus.

Im Jahr 1990, als die Stadt die 10.000 Einwohner-Schwelle überschritten hatte und damit der Stadtrat um vier Mandate vergrößert wurde, reichte auch der Sitzungssaal nicht mehr aus. Und aus diesem Grund wurde der Ratssaal unter dem Dach des Alten Rathauses am Marktplatz eingerichtet.

 

Ein Markstein war 1984 der Erwerb des ehemaligen Mälzereigeländes, von dem das Rathaus an der Luitpoldstraße nahezu umgeben war. 1986 wurden Silo und Gebäude abgebrochen und ein Bebauungsplan auf der Grundlage eines Ideenwettbewerbs erstellt. 1992 entstand das Gebäude der Raiffeisenbank und ein asphaltierter Platz mit der “vorübergehenden” Nutzung als Parkplatz. Über eine Tiefgarage an dieser Stelle wurde häufig diskutiert, doch nur in Verbindung mit der Bebauung und Nutzung des Geländes wäre dies sinnvoll und finanzierbar gewesen. Für ein großes Gesamtprojekt im Sinn der Stadtentwicklung und der Altstadtsanierung wurde lang und vergeblich nach Investoren gesucht.

Spätestens mit der Schließung des Supermarktes auf dem direkt angrenzenden Grundstück, das bis zur Mitteltorstraße reicht, wurden Ende 2005 die Probleme drängend. Aber es ergab sich auch eine große Chance: Ein gemeinsames Projekt zwischen der Stadt, privaten Grundstückseigentümern und Investoren zur Ansiedlung eines Vollsortimenters inmitten der Stadt, für Neubauten, Beseitigung von Bausünden in der Mitteltorstraße und Bau einer Tiefgarage unter dem gesamten Gelände. Ein Gesamtkonzept wurde erstellt und schon bald wurde deutlich, dass ein Abriss des bisherigen Rathauses zur Verwirklichung des Projektes unumgänglich würde. In den Jahren 2006/2007 erfolgte die europaweite Ausschreibung und Durchführung des Verfahrens mit Aufstellung des Bebauungsplans “Innenstadt”, den der Stadtrat einstimmig beschlossen hat.

 

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Marktheidenfelder!

Wie die meisten großen Projekte stößt auch dieses nicht nur auf Freude und Begeisterung. Das bezieht sich allerdings nur auf den Gebäudeteil Rathaus, das die Stadt Marktheidenfeld als Käuferin vom Investor erwirbt.

Über die Architektur von Gebäuden kann und darf man streiten! Der Zeitenlauf bringt mit sich, dass im Rückblick mancher von uns seine Bewertungen ändert. Und wir alle wissen: Alles, was wir heute bauen, werden unsere Nachfahren wieder verändern!

Ganz einig sind wir Marktheidenfelder aber sicher über die Funktion, die das Gebäude erfüllen soll, für das wir heute gemeinsam den Grundstein legen:

  • Das neue Rathaus der Stadt Marktheidenfeld wird ein offenes Haus, zugänglich im baulichen wie im übertragenen Sinn,
  • in dem Menschen für Menschen Dienste leisten und
  • das Forum und Begegnungsort sein wird.
Das künftig mögliche Arbeiten unter einem Dach sehe ich auch als Zeichen für einen neuen Aufbruch zu mehr Zusammenarbeit. Das lang gewünschte Bürgerbüro auf rund 150 qm, das sich mit großen Glasflächen ganz bewusst öffnet, wird nun endlich Wirklichkeit, es kann und wird in den neuen Räumen auch einen neuen Service bieten. In jeder Weise soll unser neues Rathaus barrierefrei sein!
Die Menschen, die hier zusammen und für die Bürgerschaft der Stadt arbeiten werden – Bürgermeisterin, Stadtrat und Stadtverwaltung – haben Leitbilder erarbeitet; diese werden im neuen Rathaus deutlich sichtbar und lesbar sein. An ihnen wollen wir uns messen lassen!
Gemeinsam können wir am Tag der Grundsteinlegung für das neue Rathaus auch sagen: Wir freuen uns schon heute auf das Richtfest für das Gesamtprojekt – wir freuen uns auf die Tiefgarage, auf einen hervorragenden Vollsortimenter in der Stadtmitte, auf die Fertigstellung der Gebäude in der Mitteltorstraße!
Wir sind dankbar, dass bis heute auf dieser großen Baustelle keine Unfälle geschehen sind, und hoffen auf eine gute Vollendung!
Und nun wollen wir den Grundstein für das neue Rathaus der Stadt Marktheidenfeld legen. Wir geben ihm eine Zeitkapsel mit folgenden Gegenständen bei:
  • Notarieller Vertrag
  • Foto vom Stadtrat
  • Foto vom abgerissenen Rathaus
  • Baupläne
  • Foto von der Baustelle
  • USB-Stick mit Präsentation Rathaus-Center
  • Satz Euro-Münzen von 2009
  • Ausgaben der Tageszeitungen vom 4. Mai 2009
  • Text dieser Rede zur Grundsteinlegung
(Zu den drei Hammerschlägen): 
  • Möge das neue Rathaus ein Ort der Begegnung, der fruchtbaren Arbeit und der Solidarität werden.
  • Mögen die Menschen, die in diesem Haus arbeiten, mit Mut, Verantwortungsbewusstsein und Freude unserer Stadt und ihren Bürger dienen und gute Entscheidungen treffen.
  • Möge der Segen Gottes und Friede über diesem Ort und über unserer Stadt sein.

 

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